Virtueller Unterricht in der Coronazeit

Die Schule ist geschlossen: stille Gänge, verlassene Klassenzimmer, ein ruhig daliegender Schulhof. Doch der Schein trügt: In der Cloud geht es hoch her! In virtuellen Unterrichtsräumen herrscht eine emsige Betriebsamkeit, eine selbstorganisierte Lernatmosphäre. Die Schule ist geschlossen – aber der Unterricht geht weiter!

Seit drei Wochen lernen die Saaleschüler*innen weitgehend selbstverantwortlich Zuhause. Doch dabei werden sie weiterhin aktiv von ihren Lehrer*innen unterstützt. Möglich macht dies Office365, welches die Schule bereits seit sieben Jahren nutzt – mit Accounts für alle Schüler*innen und Mitarbeiter*innen – und nun vollumfänglich zur digitalen Lernplattform ausgebaut wurde. Seit Anfang des Schuljahrs stellt die Saaleschule außerdem allen Schüler*innen und Mitarbeiter*innen Office Pro Plus, also die Vollversionen von Word, Excel, PowerPoint, zur Verfügung. Diese können die Programme und Apps auch auf eigenen Smartphones und Rechnern Zuhause kostenlos nutzen.

Der zentrale Dreh- und Angelpunkt beim digital-unterstützten häuslichen Lernen bildet „Teams“, eine Cloud-Software von Office365 die auch als App verfügbar ist und so jedes Smartphone zum digitalen Lernbegleiter macht. Bereits am Wochenende nach der Schulschließung wurden 23 virtuelle Klassenräume in Teams eingerichtet, welche die Schüler*innen dann schon ab Montag, dem 16. März, bezogen. Seitdem sind über 170 virtuelle Unterrichtsräume für die einzelnen Fächer der Klassen hinzugekommen.

In diesen virtuellen Unterrichtsräumen haben die Schüler*innen einen direkten Draht zu ihren Lehrer*innen: Per Chatnachrichten können Sie Fragen zu den Unterrichtsmaterialien stellen und auch mit ihren Mitschüler*innen in Kontakt bleiben oder sich gegenseitig helfen. In den drei vergangenen Wochen wurden so insgesamt 20.480 Chatnachrichten versendet! Auch das gesamte Aufgabenmanagement läuft über Teams: Lehrer*innen verteilen Aufgaben und Materialien an die Schüler*innen, welche diese dann entweder direkt digital bearbeiten oder per Foto ihrer handschriftlichen Aufzeichnungen wieder in Teams abgeben. Über ihre individuellen Aufgabenlisten behalten sie den Überblick was bis wann zu tun ist und werden so bei der Selbststrukturierung ihres Lernalltags unterstützt. Vor allem aber ist durch das Einreichen der bearbeiteten Aufgaben bei den Lehrer*innen ein Sichtung und Korrektur möglich. Die Rückgabe des überprüften Materials erreicht die Schüler*innen ebenfalls direkt in der Teams-App. Dieses Feedback ist für einen vollumfänglichen Lernprozess essenziell.

Doch damit nicht genug: Unterstützend finden regelmäßig virtuelle Unterrichtsstunden und Besprechungen per Videokonferenz statt, so dass eine direkte face-to-face-Kommunikation zwischen Schüler*innen und Lehrer*innen möglich ist. 244 solche Live-Gruppenbesprechungen wurden in den letzten drei Wochen durchgeführt, sowie weitere 469 Einzelanrufe. Diese Videokonferenzen werden insbesondere für Einführungsstunden sowie Aufgabenbesprechungen genutzt. Mit Hilfe der Bildschirm-Teilen-Funktion kann die Lehrkraft außerdem, zum Beispiel in OneNote, eine virtuelle Tafel für die ganze Klasse bereitstellen, um gemeinsam Tafelbilder zu entwickeln oder Lösungen zu besprechen. Auch die an der Saaleschule üblichen Montagskreise und Freitagsforen werden auf diese Weise weitergeführt, so dass die Schüler*innen und Lehrer*innen sich beim Verarbeiten dieser besonderen Situation, in der wir nun alle leben, gegenseitig unterstützen können

Die Schüler*innen nehmen diese digital-unterstützte Form des selbstverantwortlichen Lernens sehr gut an, wie die Statistiken zeigen: 572 aktive Benutzer sind in Teams zu verzeichnen – das heißt fast jede und jeder der zirka sechshundert Schüler*innen und Mitarbeiter*innen der Saaleschule ist in der Cloud dabei. Für alle die nicht die technischen Möglichkeiten haben bieten wir Alternativen an: Sowohl das Zusenden der Materialien über die Eltern-Mail-Adressen, als auch das Einwerfen in den Briefkasten.

Die Corona-Zeit stellt uns alle vor große Herausforderungen: Für die Schüler*innen gilt es plötzlich, sich zunehmend selbst zu strukturieren und motivieren, sowie noch mehr Verantwortung für den eigenen Lernprozess zu übernehmen. Für die Lehrer*innen bedeutet es noch stärker die Rolle eines Lernbegleiters und Coaches einzunehmen und damit ihre Lehrkonzepte deutlich anzupassen. Und natürlich heißt es für uns alle unsere digitalen Kompetenzen enorm auszubauen. Zum Glück waren wir auf diese Situation gut vorbereitet, denn unsere reformpädagogischen Lernformen, wie Freiarbeit oder Projektarbeit, fördern schon immer das selbstverantwortliche Lernen – auch digitalunterstützt. Und was wir an digitalen Methoden noch nicht konnten, haben wir uns als Kollegium in einer virtuellen schulinternen Lehrer*innen-Fortbildung (SchiLF) am 27. März gegenseitig beigebracht um es dann an unsere Schüler*innen in Form von Einführungsstunden und Video-Tutorials weiterzugeben.

Wir als Saaleschule-Gemeinschaft möchten die Coronazeit auch als große Chance sehen, in welcher nicht nur der Unterricht gut weiterlaufen kann, sondern in welcher wir uns durch das Angehen der neuen Herausforderungen auch in andere Kompetenzen verbessern können: Selbststrukturierung, Eigenverantwortung, digitale Methoden und dezentralem Teamwork